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Grippewelle in diesem Jahr mit ungewöhnlicher Wucht

Vor allem im Süden und Osten Deutschlands wütet derzeit die Influenza-Grippe. Zehntausende sind erkrankt, Dutzende Tote zu beklagen. Impfen kann auch jetzt noch helfen.


Es kommt scheinbar urplötzlich, mit hohem Fieber, Halsweh und Husten, Kopf- und Gliederschmerzen: Das aktuell kursierende Influenza-Virus AH3N2 sorgt nicht nur für wesentlich mehr Grippekranke als in den Vorjahren, es greift die Betroffenen auch deutlich stärker an. Meist ist die Tortur nach rund einer Woche überstanden, doch in Einzelfällen kann es zu Lungenentzündungen und weiteren Komplikationen kommen.

Die Notaufnahmen vor allem in Süd- und Ostdeutschland, aber auch in Nordrhein-Westfalen sind vielerorts überfüllt – nicht zuletzt, weil auch Teile des Klinikpersonals vom Virus betroffen sind. Da die Grippewelle ungewöhnlich früh eingesetzt hat und voraussichtlich noch eine Zeitlang fortdauern wird, ist mit einer hohen Zahl von Todesopfern zu rechnen. Schon jetzt werden deutschlandweit über 80 Grippetote vermeldet.

„Jeder, der sich krank fühlt und ein höheres Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf hat, also ältere Menschen oder Personen mit chronischen Vorerkrankungen, sollte seinen Hausarzt konsultieren“, rät der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler. Das RKI unterhält eine „Heat Map“, also eine Deutschland-Karte mit den aktuellen Grippe-Fallzahlen. Darauf ist unter anderem das Havelland tiefrot markiert, was bedeutet: Hochrisikogebiet.

Noch nicht zu spät für Vorsorge
Das bekommen auch regionale Hausärzte wie der Falkenseer Internist Dr. Walter Mildenberger zu spüren. „Viele Patienten berichten, dass sie jahrelang nicht krank gewesen seien und gedacht hätten: ‚Das trifft doch nur die anderen‘; umso erstaunter seien sie nun darüber, wie stark die Grippe gleichsam aus dem Nichts zuschlagen kann“, gibt der Arzt, der als Mitglied der „Arbeitsgemeinschaft Influenza“ wöchentlichen Kontakt mit dem RKI pflegt, Einblick. Und noch etwas ist Dr. Mildenberger aufgefallen: „Die aktuelle Grippeimpfung ist nach meiner Erfahrung wirksam. Noch keiner der Patienten, die ich in dieser Grippesaison wegen Influenza behandelt habe, war geimpft.“

Damit ist auch die effektivste Vorsorgemethode – neben häufigem Händewaschen, Lüften und weiteren Desinfektionsmaßnahmen – benannt: Impfen. „Für eine Impfung ist es noch nicht zu spät. Das Ansteckungsrisiko wird noch bis ins Frühjahr hinein gegeben sein, während der Impfschutz bereits spätestens zwei Wochen nach der Impfung wirksam ist“, betont Dr. Mildenberger.

Insbesondere Risikogruppen sollten nicht auf diese Vorsorge verzichten. Dazu zählen Menschen über 60 Jahre, gesundheitlich vorbelastete Menschen, Schwangere und alle Personen, die mit vielen anderen in Kontakt kommen. Aber auch wer nicht zu diesen Gruppen gehört, kann sich mit einer Impfung auf einfache Weise gegen den gefährlichen Erreger wappnen.

Behandlung
„Leider kommen die meisten Grippe-Erkrankten zu spät zu mir“, gibt Dr. Mildenberger weiter an. Eine Therapie mit den Grippe-Wirkstoffen Oseltamivir oder Zanamivir (Tamiflu® bzw. Relenza®) ist nur innerhalb von 48h nach Beginn der Symptome möglich, daher ist Eile geboten.

Für wen diese Medikamente nicht in Frage kommen, für die hat Dr. Mildenberger aber einen wichtigen Rat: „Grippe ist keine Bagatelle, aber auch kein Todesurteil! Man muss dem Körper die Gelegenheit geben, mit den Erregern ferig zu werden, daher ist körperliche Schonung, Ruhe, Wärme und viel Trinken das A und O der Behandlung.  In der Apotheke frei verkäufliche Mittel lindern die Beschwerden wie Fieber, Gliederschmerzen, Husten und sind daher empfehlenswert, sie beschleunigen den Heilungsprozess aber in der Regel nicht. Hier hilft nur Geduld und die oben genannte (Bett-)Ruhe, dann ist die Grippe in der Regel nach 7-10 Tagen überstanden.“