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Impfen ist auch im Alter sinnvoll und wichtig

Der Impfschutz tritt für viele Menschen im Herbst ihres Lebens in den Hintergrund. Doch auch und gerade für Senioren können Impfungen lebensverlängernd wirken – auch für ihre Angehörigen (Enkel und Urenkel).


„Ach, in meinem Alter lohnt sich das doch nicht mehr. Was soll jetzt schon noch kommen? Da erspare ich mir den Aufwand doch lieber, zumal man ja auch nie sicher weiß, ob nicht riskante Nebenwirkungen auftreten.“ So oder ähnlich reagieren zahlreiche ältere Patienten auf die Frage nach ihrem Impfschutz.

Auch die vorsorgeberechtigten Angehörigen winken häufig ab, um ihrem Schutzbefohlenen den „Pieks“ einer Impfung zu ersparen. Auf der medizinischen Prioritätenliste rutscht der Impfschutz mit den Jahren dementsprechend immer weiter nach unten, wovon niedrige Durchimpfungsraten bei den Standardimpfungen zeugen.

Mit dieser Haltung geht man allerdings unnötige Risiken für Leib und Leben ein. „Im höheren Lebensalter kommt es zur sogenannten Immunseneszenz: Das Immunsystem kommt gewissermaßen in die Jahre, seine Reaktionsfähigkeit nimmt ab. Damit steigt auch die Anfälligkeit für Infektionen“, erklärt der in Falkensee praktizierende Hausarzt Dr. Walter Mildenberger. „Impfungen werden aus diesem Grund im Alter eher noch wichtiger als in mittleren Jahren. Das gilt insbesondere für Alten- und Pflegeheim-Bewohner, die prinzipiell mit mehr Erregern in Kontakt kommen.“

Im Einklang mit der Ständigen Impfkommission (STIKO) vom Robert-Koch-Institut empfiehlt Dr. Mildenberger Personen ab 60 Jahren, folgende Impfungen in Anspruch zu nehmen:

  • eine jährliche Grippeschutzimpfung – gerade für Menschen mit     geschwächtem Immunsystem ist die alljährliche Grippewelle lebensbedrohlich;
  • alle zehn Jahre eine Kombinationsimpfung gegen Diphterie und Tetanus sowie einmalig gegen Keuchhusten (Pertussis) – mit Tetanus-Sporen kommen Senioren übrigens häufig bei der Gartenarbeit in Berührung; aber auch die Dornen eines Rosenstraußes – liebevoll als Geburtstagssträußchen überreicht – können den Erreger übertragen. Keuchhusten erlebt bedauerlicherweise aktuell ein großes Revival, und hier verläuft der Übertragungsweg häufig vom Senior zum (Ur-)Enkelkind und bringt dieses in akute Lebensgefahr;
  • ein- bis mehrmalig eine Pneumokokken-Impfung, um eine Lungenentzündung zu verhüten, insbesondere bei Bewohnern von Alten- und Pflegeheimen, um eine gegenseitige Ansteckung zu verhindern;
  • je nach persönlicher Risikoexposition Impfungen gegen die von Zecken übertragene FSME, gegen Hepatitis A und B sowie vor Fernreisen gegen am Zielort vorkommende Reisekrankheiten.
  • Darüber hinaus ist auch die zweimalige Impfung im Abstand einiger Monate gegen die teilweise sehr schmerzhafte Gürtelrose (Herpes Zoster) sinnvoll – hierfür gibt es seit Kurzem mit Shingrix einen neuen, sehr effektiven und gut verträglichen Totimpfstoff (der leider von den Krankenkassen noch nicht übernommen wird).


Bei den Impfintervallen und -dosierungen muss allerdings das Lebensalter und damit die Immunseneszenz einbezogen werden. Denn auch die Antikörperproduktion nach einer Impfung, also die Immunisierung gegen den oder die Erreger, verläuft bei Senioren schleppender. Es empfiehlt sich daher, mit einem Arzt eine individuelle Impfstrategie festzulegen und umzusetzen.

In aller Regel sind die Impfstoffe für Senioren sehr gut verträglich, nur in seltenen Ausnahmefällen kommt es zu nennenswerten Nebenwirkungen. Lediglich kurzfristige Impfreaktionen treten mit den Jahren intensiviert auf. Das betrifft Schwellungen, Rötungen und/oder Schmerzen an der Impfstelle ebenso wie Kopf- und Gliederschmerzen oder Fieber. Diese Reaktionen halten im Normalfall allerdings maximal einige Tage an und sind ein „Klacks“ gegen das Durchleben der verhüteten Krankheit.

Unterm Strich steht damit deutlich mehr Nutzen als Risiko, wie auch Internist Dr. Mildenberger findet: „Mit den richtigen Schutzimpfungen lässt sich die Gesundheit deutlich verbessern – auch im höheren Alter!“